GFLK Galerie für Landschaftskunst
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Patrick Rieve
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Doing Time
Patrick Rieve
Doing Time

Ausstellung in der Galerie für Landschaftskunst

 

Patrick Rieve

Doing Time

 

Eröffnung: Freitag, 3. September, ab 19 Uhr

Dauer der Ausstellung: 04.09. bis 06.11.2004

 

Öffnungszeiten: Mi-Fr 15-18 Uhr, Sa 12-14 Uhr

 

PDF der Einladungskarte (500KB)

 

 

Dirck Möllmann über die Ausstellung:

Der Hamburger Künstler Patrick Rieve errichtet im Galerieraum eine abschließbare Einzelzelle, in der er sich bis zur Eröffnung seiner Ausstellung für eine Woche freiwillig und allein aufhalten wird. Der Raum besteht aus Boden, Wänden, Decke sowie einem Gitter und ist auf zwei mal drei Metern Grundfläche nur mit dem funktional Notwendigsten ausgestattet wie eine Gefängniszelle. Die Zelle steht quer im Raum, sodass ihr Insasse nicht unmittelbar ansichtig ist. Rieve wird einen orangefarbenen Overall als Zeichen seiner Isolierung tragen.

 

Während seines Aufenthalts in der Zelle wird der administrative Galeriebetrieb ohne Einschränkungen so weitergehen wie es außerhalb der Öffnungszeiten üblich ist. Mit seinem Rückzug realisiert Rieve eine außergewöhnliche Zeiterfahrung unter höchst ambivalenten Umständen, die vor allem ihn selbst herausfordert, aber auch seine Umgebung in Anspruch nimmt. Die Essensversorgung muss ebenso gewährleistet sein wie ein Rettungsweg für den Notfall, und der Routinealltag wird von der zusätzlich anwesenden aber nicht sichtbaren Person in der Zelle atmosphärisch beeinflusst.

 

Vor der Eröffnung wird sein Rückzug beendet. In der anschließenden Ausstellung ist zusätzlich eine Serie von isometrischen Zeichnungen zu sehen, die technische Raumbeschreibungen einer legendären Flucht von der Gefängnisinsel Alcatraz detailliert wiedergeben. Der Ausbruch gelang Frank Morris und den Gebrüdern Anglin damals aufgrund akribischer Vorbereitungen und Täuschungsmanöver. Rieve verarbeitet in seinen Zeichnungen die technischen Aspekte ihrer Flucht.

 

Rieve verkehrt das Thema der Flucht aus einem Gefängnis, das in den Zeichnungen exemplarisch verarbeitet wird, in sein Gegenteil. Er benutzt das Ausstellungsobjekt als Gelegenheit zum mehrtägigen Rückzug von alltäglichen Verbindlichkeiten und um sich in Selbstdisziplin zu üben. Für die selbst auferlegte Askese wählt er die Knastzelle, was der scheinbar sanften Konzentrationsübung einen aggressiveren Ton verleiht und zusätzlich das Thema der Kontrolle und Überwachung anschlägt.

 

Bereits für die Ausstellung Mapping a City: Hamburg-Kartierung (2003-2004) im Hamburger Kunstverein realisierte Rieve einen gezielten Schuss in die Galerie für Landschaftskunst. Der Galerieraum wurde damals zum Gegenstand einer verunsichernden Beobachtung durch ein fiktives Zielfernrohr, was die Zeichnungen im isometrischen Aufriss als Blick von oben wiedergaben. Die aktuelle Installation schafft durch die bewohnte Zelle in der “weißen Zelle“ des Galerieraums eine konkrete Lebenssituation auf Zeit: “Doing Time“.

 

Dirck Möllmann

PDF dieses Textes zum Herunterladen.

 

Flucht aus Alcatraz (11 Zeichnungen):

 

 

 

Mehr:

Weitere Informationen über Patrick Rieve

Ausstellungsliste der Gflk

 

 

Fotos: Christina Gröninger