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Daniel Maier-Reimer
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HH Landesgrenze
Daniel Maier-Reimer
12 Landschaften, Hamburger Landesgrenze

Für die "Hamburgkartierung" umging Daniel Maier-Reimer 2003 die Stadt Hamburg entlang ihrer Landesgrenze. 12 Fotos repräsentieren diese Reise.

Hamburger Landesgrenze I: Lehmsahl-Mellingstedt

Hamburger Landesgrenze II: Glashütte

Hamburger Landesgrenze III: Wittmoor

Hamburger Landesgrenze IV: Duvenstedt

Hamburger Landesgrenze V: Duvenstedter Brook

Hamburger Landesgrenze VI: Stapelfeld

Hamburger Landesgrenze VII: Höltigbaum

Hamburger Landesgrenze VIII: Dänenheide

Hamburger Landesgrenze IX: Bergedorf

Hamburger Landesgrenze X: Achterdeich

Hamburger Landesgrenze XI: Marmstorf

Hamburger Landesgrenze XII: Nincoper Moor

(Alle Aufnahmen: 2003, C - Print, 41 x 60 cm)

 

Wolfgang Kemp über "12 Landschaften, Hamburger Landesgrenze":

Am 1.4.1937 war es so weit: Per Gesetz wurde Groß-Hamburg geschaffen. Das enge und irregulär geschnittene Territorium der Freien Reichsstadt arrondierte sich einigermaßen kreisförmig um das Zentrum der City. Groß-Hamburg wuchs von 415 auf 747 km². Die Nationalsozialisten schufen so die Voraussetzungen dafür, dass nach dem Krieg der Stadtstaat Hamburg entstehen konnte. Einem Gebilde wie dem Hamburg vor 1937, dessen Grenzen an vielen Orten identisch waren mit Straßenseiten oder Fluchtlinien von Mietshäusern, hätte man den Rang eines Bundeslandes wohl nicht zuerkannt. Die Landesgrenze wurde überall ins „Grüne“ vorverlegt: Das entsprach und entspricht der idealen Vorstellung von der Einheit aus Stadt und Land, wie sie schon das erste „City Mapping“ der Kunstgeschichte, die Fresken des Ambrogio Lorenzetti im Sieneser Rathaus in den Blick nehmen. Diese Vorverlegung der Grenzen erfüllte nicht mehr alte sicherheits- und versorgungspolitische Erfordernisse, die neue Grenze wurde der Planungshorizont der Metropole, die stille, geduldige, aber entscheidende Garantin von Konzepten wie dem der „wachsenden Stadt“.

Daniel Maier-Reimer ist diese Grenze in sechs Tagen abgegangen. Seine zwölf fotografischen Aufnahmen von der Stadtgrenze sind eigentlich keine Aufnahmen von der Stadtgrenze aus: Sie suchen nicht die ferne Silhouette des Zentrums oder den nächsten erreichbaren Vorort. Wie Bob Braine, dessen Beitrag sich der harten Grenze der barocken Stadtbefestigung widmet, zeigt auch Maier-Reimer, dass die Grenze eine Linie und eine Fläche ist, ein eigenes „terrain vague“, wie die Franzosen ganz allgemein das Vorfeld großer Städte nennen. Die Grenzzone ist noch nicht einmal Industriebrache oder Bauerwartungsland; diese halb beherrschten, halb aufgegebenen Gegenden erinnern eher an die Abenteuerlandschaften, die Kinder mit sicherem Gespür für die von Erwachsenen (noch) nicht beanspruchten Territorien usurpieren. Aber irgendwie traut man dem Frieden nicht. Bei zwei, drei Aufnahmen hat man das Gefühl, dass wir uns vorsichtig einem Outpost nähern.

Je härter heute manche Grenzen nach außen hin werden, desto weicher fallen sie im Inneren aus. Maier-Reimer trägt dieser Tatsache durch den in mehr als einer Hinsicht unfokussierten Charakter seiner Aufnahmen Rechnung. Die Unsichtbarkeit dieser wahrhaft grünen Grenze herauszuarbeiten, ist aber keine Aufforderung, sich im Gegenzug dieses geografischen und politischen Phänomens in Marsch und Geest besser bewusst zu werden. Dieses Mapping dient eher als Verweis auf das, was wir noch weniger sehen, aber umso stärker spüren: Gesetze, Verordnungen, Zuordnungen, Ausgrenzungen. Man könnte auch den Ort Schengen fotografieren und würde über den Charakter heutiger Raumordnung nicht mehr erfahren als aus diesen Bildern einer Landschaft und ihrer vagen Übergänge.

Wolfgang Kemp

 

(aus dem Buch " Mapping a City")

 

Weitere Projekte und Ausstellungen Daniel Maier-Reimers mit der Gflk.

Weitere Projekte der "Hamburg-Kartierung"

 

 

 

In der Ausstellung "Mapping a City:Hamburgkartierung" im Kunstverein in Hamburg, 2003, hingen die Fotos "12 Landschaften, Hamburger Landesgrenze" jeweils einzeln an verschiedenen Stellen der Räume (hier: Bildmitte).

Hamburger Landesgrenze IX: Bergedorf (2003, C - Print, 41 x 60 cm)