Video / 12:21 Minuten/ digital 8/ 2006
Darstellerinnen: Kristina, Hatice, Sara, Ilayda, Sevinc, Dilayla, Timucin, Neticem, Evgeniya, Afi, Justin, Marcelline, Iris, Lena, Alexandra
Kamera + Schnitt: Nine Budde
Während eines dreiwöchigen Aufenthalts in Wilhelmsburg im September 2006 produzierte Nine Budde einen Film für den Mehrzweckraum der SCHUTE, der in Wilhelmsburg lebende Migrantinnen bei ihren häuslichen Alltagsritualen beobachtet und dabei ihre Vorstellungen vom „Verrücktsein“ hinterfragt. Dieser Film ist die erste Arbeit, die im Mehrzweckraum der SCHUTE in Form einer Videoinstallation als eigene Produktion gezeigt wurde. Weitere Filmprojekte mit anderen Künstlern sind geplant.
Selber fremd und einsam in einer völlig neuen Umgebung sprach Nine Budde im Zeitraum ihres Aufenthalts gezielt ausländisch wirkende Frauen und Mütter in der Öffentlichkeit an, da diese ihren Beobachtungen nach stark das Straßenbild Wilhelmsburg bestimmen. Ziel ihres Projekts war, die Frauen einerseits in ihrem ganz alltäglichen Umfeld und bei ihren Tätigkeiten zu Hause zu dokumentieren, andererseits diese Normalität mit dem Aspekt des Lebens in der Fremde und mit Vorstellungen vom Begriff des Verrückt-Seins im zweifachen Sinne zu mischen.
Der Gedanke von Nine Budde war, mit dem Videodreh den Protagonisten eine neue Idee ihrer Alltagstopographie zu vermitteln und dass diese sich mit der Performance und Aktion vor der Kamera den Alltagsritualen ihres Verhaltens entziehen konnten, um andere Verhaltensrollen in demselben Umfeld einzunehmen. Entstanden sind symbolhafte Szenen ohne Sprache, die das Wechselspiel zwischen Imagination und Realität festhalten und dem Film seinen experimentellen Charakter geben.
Drehorte waren vor allem persönliche Orte der Darstellerinnen wie Bad, Wohnzimmer, Küche und Flur, aber auch der Mehrzweckraum der Schute als Versinnbildlichung der Themen Flucht, Hoffnung und imaginärer Raum.
Zu dem Video ist auch ein Copy-Heft entstanden, das die Erlebnisse der Künstlerin in Tagebuchform festhält. Es kann im Mehrzweckraum der Schute und auf Nachfrage eingesehen werden.

(Installationsfoto: Nine Budde)